Film- und Videoclub Rüsselsheim e.V.

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Kamerapositionierung und Beleuchtung
für ein ein typisches Interview im Büro

  Statt zwei Kameras, zwei Kameramänner, zwei Satz Leuchten, ein Mikrofonmischpult und einen Toningenieur zu benötigen für einen Interviewabschnitt, werden, wie nachfolgend dargestellt, die meisten kurzen Interviews,
im
"A-Roll / B-Roll"-Verfahren durchgeführt.

Dieses Verfahren erfordert nur eine einzige Kamera, einen Satz Leuchten, und ein Mikrofon, das nur an die Kamera angeschlossen wird. Es ist sogar möglich, wenn auch nicht gerade wenig anspruchsvoll, dass der Interviewer/Reporter alles allein macht!

A-Roll: Zuerst wird die Kamera eingerichtet, um den Gast aufzunehmen, wie er die Fragen des Interviewers beantwortet. Im ersten Durchgang wird nur der Gast beleuchtet.   Die Kameraposition erlaubt sowohl Nahaufnahmen des Gastes als auch (nachdem zurückgezoomt worden ist) Einstellungen über die Schulter des Interviewers. Beachten Sie, dass in der Darstellung weiter unten das Hauptlicht (engl.: Key Light) etwas näher am Gast dran ist, sodass seine Lichtstärke doppelt so stark wie die des Aufhelllichtes (engl.: Fill Light) ausfällt.

Ein Aufhelllicht (engl.: back light) mit etwa 1½ facher Helligkeit des Hauptlichtes, und ein Hintergrundlicht (engl.: background light), mit etwa 2/3 der Helligkeit des Hauptlichts, dienen dazu, das Subjekt vom Hintergrund zu trennen und der Szene Tiefe zu verleihen.

B-Roll: Sobald alle Antworten aufgezeichnet sind, wird die Kamera neu ausgerichtet und auf den Interviewenden scharf gestellt. Das Mikrofon (typischerweise ein Lavalliermikrofon) wird vom Gast auf den Interviewenden umgesteckt.

Der neue Blickwinkel lässt Nahaufnahmen vom Interviewenden zu, während von ihm alle Fragen noch einmal gestellt aber diesmal vom Gast nicht beantwortet werden. Die Frage, wenn sie nicht bereits klar aus einer gegebenen Antwort ersichtlich ist, wird beim Schneiden wie erforderlich in das Interview eingefügt.  

Diese Nahaufnahmen und Einstellungen über die Schulter des Interviewenden werden auch benutzt, um Bildsprünge abzudecken, die entstehen, wenn weniger wichtige Teile der Antworten des Gastes herausgeschnitten wurden. Die dazu brauchbaren Einstellungen werden aufgenommen, nachdem alle Fragen erfasst sind. Sie bestehen aus Aufnahmen davon, wie der Interviewende nickt oder (anscheinend) nur einfach einer Antwort zuhört. Diese Einstellungen von der Reaktion des Reporters werden als "Noddies" bezeichnet. In einem humorvollen Interview würden sie den Interviewenden lächelnder- oder sogar lachender weise zeigen.

Es ist möglich, das "B-Roll"-Material (die Fragen und die Noddies) aufzunehmen, ohne dass der Gast anwesend ist.   Das kann notwendig werden, wenn der Gast in Zeitnot ist.   Damit die akustischen und optischen Umgebungsbedingungen aber passen, sollte das "B-Roll"-Material unbedingt am Aufnahmeort des Interviews gemacht werden — nur der Gast wird nicht mehr auf seinem Stuhl sitzen, und Sie werden nicht mehr in der Lage sein, Einstellungen über die Schulter des Gastes zu machen.

Beachten Sie, dass in der folgenden Skizze die Leuchten repositioniert wurden und nun auf den Interviewenden ausgerichtet sind. Alle Licht-Einfallswinkel sind an ihrer neuen Position gleich geblieben. Beachten Sie auch, dass wir das Hauptlicht auf der linken Seite beibehalten haben, damit seine Richtung in Übereinstimmung mit den    "A-Roll"-Einstellungen bleibt.

Beim linearen Schnitt werden üblicherweise zwei Videobänder benutzt: Ein "A-Roll"- und ein "B-Roll"-Band. Beim Schneiden werden die Bänder abwechselnd benutzt, wenn die Fragen und Antworten aneinandergefügt werden.   Beim nicht-linearen Schnitt ist das nicht notwendig. Alles kann auf ein Band, eine Festplatte oder einen mobilen Festspeicher aufgezeichnet werden. Sobald alle Aufnahmen auf dem Computer des Schnittsystems gecaptured sind, können Sie für die Montage direkt auf alle Fragen und Antworten zugreifen

Bei aufwendigeren Interviews (z.B. im Studio) werden zwei Kameras, ein doppelter Satz Leuchten und mehrere Personen eingesetzt.   Eine Kamera nimmt des Interviewenden Fragen und seine Reaktionen auf, und die zweite Kamera erfasst gleichzeitig die Antworten des Gastes. Zwei Mikrofone und ein Tonmischpult werden in einem solchen Fall notwendig. Obwohl das viel aufwendiger ist, hat dieses Verfahren viele Vorteile für den Schnitt.

Welches Verfahren Sie auch benutzen "Raum-Ton" sollte ebenfalls aufgezeichnet werden! Das wird gemacht, indem Sie nur einfach "Stille" für etwa 15 Sekunden vor oder nach dem Interview aufnehmen. Diese "Stille" besteht einfach aus normalen Hintergrundgeräuschen, die an diesem Ort üblich sind.

Während des Schneidens kann es notwendig sein, an bestimmten Stellen eine angemessene Pause einzufügen. Absolute Stille oder überhaupt kein Ton auf der Timeline würde auffallen, wohingegen der aufgenommene "Raum-Ton" unauffällig ist.