Film- und Videoclub Rüsselsheim e.V.

  Zurück zur Aufnahmemethodik

 

DER KAMERAMANN UND SEINE OBJEKTIVE


So vertraut, wie wir mit unserer Kamera jetzt sind, dürfen wir nun den nächsten Schritt tun und uns mit der Filmgestaltung befassen. Es gibt Gestaltungsmittel, die typisch filmisch, und wieder andere, die dem Film wie auch der Fotografie eigen sind. Dazu gehört die Wahl der richtigen Brennweite. Dennoch, wenn Sie diese Seiten über die Objektive durchblättern, werden Sie entdecken, dass der Film auch auf dem Brennweiten-Sektor mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet als die Fotografie. Mit dieser Feststellung möchte ich nun nicht etwa Foto und Film gegeneinander ausspielen. Vergleicht man nämlich objektiv die beiden Ausdrucksformen miteinander, so wird man bald feststellen, dass der Film bei der Aufnahme zwar vielseitiger in seinen Gestaltungsmöglichkeiten ist, daß hingegen die Vorteile des Fotos bei den Nachbearbeitungsmöglichkeiten liegen. In der Dunkelkammer (heute mit dem Paint-Programm am PC) kann es in seiner Helligkeit, seinem Kontrast und vor allem seinem Ausschnitt stark beeinflusst werden. Die Wahl der Brennweite halte ich aber sowohl beim Film als auch bei der Fotografie für ein ganz entscheidendes Mittel, die Ausdruckskraft des Bildes zu steigern.

Mir sagte einmal ein junger Mann mit einem scheelen Seitenblick auf das Vario-Objektiv meiner Kamera: "Fernglas-Linsen, pah, die braucht man ja nur, wenn man zu faul ist, näher an sein Motiv heranzugehen!" Diese Bemerkung war mindestens ebenso dumm wie flegelhaft. Wenn ich es einmal etwas überspitzt sagen darf, ist das Heranholen der Ferne die unwichtigste Aufgabe einer langen Brennweite. Viel interessanter sind die Gestaltungs-Effekte, die ich durch den richtigen Einsatz längerer und kürzerer Brennweiten hervorrufen kann!

Die subjektiven Objektive

Ich habe Ihnen empfohlen, zunächst für die ersten Drehversuche aus Ihrem Objektiv eine "Fixfocus-Linse" zu machen. Jetzt, da es für Sie darum geht, die phantastischen Möglichkeiten verschiedener Brennweiten praktisch zu nutzen, möchte ich Sie zunächst dringend bitten, so zu tun als ob Ihr Vario-Objektiv nur 4 verschiedene Brennweiten enthält:

  1) ein Normalobjektiv
  2) ein "kleines" Fernobjektiv, auch Portraitlinse genannt
  3) eine "lange" Linse
  4) ein Weitwinkelobjektiv.

Die folgenden Seiten gelten also grundsätzlich der Aufnahmepraxis mit verschiedenen Brennweiten, gleichgültig ob es sich um einzelne starre Objektive handelt oder um "Auszugszustände" der Gummilinse. Unsere kleine Tabelle gibt Ihnen darüber Aufschluss, welche Brennweiten innerhalb der verschiedenen Filmformate und der Kleinbildfotografie ungefähr einander entsprechen:

Objektivtyp Doppel-8 Super-8 Video mit
1/4" Chip
Kleinbild
 
d=6,93 mm d=8,21 mm d=6,35 mm d=50 mm
Weitwinkel
 
6,93 mm 8,21 mm 6,35 mm 50 mm
Normal-
Brennweite
 
9,70 mm
(9 - 13 mm)
11,49 mm
(11 - 15 mm)
8,89 mm
(8 - 12 mm)
70 mm
Portrait-
Tele
 
18,71 mm 22,16 mm 17,14 mm 135 mm
Langes Tele
 
42 mm 49 mm 38 mm 300 mm

(Anmerkung: Zum Vergleich entspricht das Objektiv der Canon XM2 mit 4,2 mm bis 84 mm einem Kleinbildbereich von 42 bis 840 mm. Es geht also von einem leichtem Weitwinkel bis zum extremes Tele. Die Canon mit ihrem 1/4" Bildwandler hat eine Bilddiagonale von ca. 6,3 mm statt 50 mm bei Kleinbildfotoapparaten).

Die Brennweiten hängen ja immer vom Bildformat ab. Deshalb sind die Schmalfilmbrennweiten auch erheblich kürzer als die Objektive für eine Kleinbildkamera. Relativ gesehen jedoch - im Verhältnis zur Größe des Bildfeldes - sind sie erheblich länger. Ein Schmalfilmweitwinkel würde in der Fotografie schon einem Normalobjektiv entsprechen. Die Normallinse hat denselben Bildwinkel wie ein 70 mm. Es ist mir übrigens gar nicht so leicht gefallen, diesen Brennweitenvergleich zusammenzustellen, schon weil der Begriff Normalobjektiv beim Filmen nicht so genau festgelegt ist wie in der Fotografie. Für Doppel-8 gelten Brennweiten zwischen 9 und 13 mm, im Super- und Single-8 zwischen 11 und 15 mm als Normalobjektive. Könnten Fotoobjektive mit den gleichen Maßstäben gemessen werden, so wäre sogar ein 100-mm-Objektiv noch eine Standardbrennweite - in der Tat ein unnormales "Normalobjektiv".

Nebenbei bemerkt: Es ist für mich ziemlich lästig, jedes mal wenn ich über Brennweiten spreche, alle Objektive für alle Formate hier aufzuführen. Das nimmt uns den Platz für wichtigere Dinge weg. Ihr Einverständnis vorausgesetzt, werde ich der Einfachheit halber von nun an nur die Doppel-8-Brennweiten anführen. Sie wissen ja jetzt, wie sich diese zu den Super-8-, 16 mm- und sonstigen Formaten verhalten. Da die folgenden Tipps mit wenigen Ausnahmen eigentlich für alle vollautomatischen Kameras gelten, ohne Rücksicht auf den Typ und das Format, möchte ich Ihnen die Praxis des Schmalfilmens am Beispiel der mir besonders vertrauten Leicina und des Cinovid- Projektors erklären; sie mögen stellvertretend für andere vollautomatische Geräte stehen.

Ich bin Ihnen - nach dieser Zwischenbemerkung - noch schuldig zu erklären, warum nun die Schmalfilmobjektive - und insbesondere die

Objektive der verschiedenen 8-mm-Sorten (auch die Videoobjektive) - so außergewöhnlich lang sind. Die Stärke des 8-mm-Filmes (und des Videofilms) ist nämlich die groß aufgefasste Aufnahme.

Mag - wie es so schön heißt - in jedem anderen Falle "der Teufel im Detail liegen", beim Schmalfilm (und beim Videofilm) führt gerade das Detail zu den packendsten Streifen. Verzeihen Sie bitte, wenn ich mich, die Gelegenheit nutzend, wiederhole und hier noch einmal nachdrücklich vor der Fernsicht warne. Reine Landschaftsüberblicke mit kurzer Brennweite aufgenommen, enttäuschen Sie bei der Projektion mit Sicherheit. Sie können zu wenig Einzelheiten erkennen.

Ran ans Detail ist die wichtigste Filmregel. Seltsamerweise haben Filmende wie Fotografierende häufig eine merkwürdige Scheu davor! Wie oft habe ich schon beobachtet, dass Personen aus einem Abstand von 6 m oder noch mehr als winzige, kleine Pünktchen aufgenommen werden. Die längere Brennweiten-Bestückung der 8-mm-Kamera verhindert da allerdings das Schlimmste. Trotzdem darf ich Sie bitten: Unterstützen Sie die bereits in Ihrer Kamera eingebaute Tendenz und rücken Sie Ihrem Motiv auf den Leib - aber bitte wirklich nur mit der Kamera.

"Fernrohreffekt" und Raumtiefe

Die 15-mm-Brennweite beispielsweise holt ein Motiv näher heran als das Standard-Objektiv, und die 36-mm-Brennweite holt es wiederum näher heran als die 15-mm-Linse! Darüber hinaus verkürzen die langen Brennweiten die Entfernungen. Die Abstände in die Raumtiefe hinein erscheinen im Bild gerafft.

Nehmen wir einmal an, wir wollen einen Turm filmen, der vor einer weit entfernten Bergkette steht. Wir haben da verschiedene Möglichkeiten. Entweder wir gehen recht nahe an ihn heran und filmen ihn mit einer kurzen Brennweite. Die Berge werden dann allerdings im Hintergrund unwesentlich klein erscheinen - wenn wir sie bei der Projektion überhaupt noch wiederfinden. Legen wir hingegen besonderen Wert darauf, diesen Turm in Verbindung mit der Berglandschaft zu zeigen, dann filmen wir ihn aus größerer Entfernung - natürlich mit der langen Linse. Schon im Sucher können Sie erkennen, dass dann gleich hinter dem Turm eine respektable Hügelkette in den Himmel ragt.

Das Zusammenziehen der Raumtiefe geht nach einer ganz einfachen Regel vor sich: Eine Brennweite der doppelten Länge läßt den Tiefenraum um die Hälfte verkürzt erscheinen, eine Brennweite der vierfachen Länge drängt den Raum auf ein Viertel zusammen. Voraussetzung für diesen Effekt ist allerdings, dass man sich mit wachsender Brennweite auch entsprechend weiter vom Objekt entfernt.

Dies zeigt übersichtlich unsere kleine Tabelle:

Verwendete  Brennweite      an Kamera Scheinbare
Entfernung zw.
VG und HG
Abstand
der Kamera
vom VG
Doppel-8 Super-8 Video mit
1/4"-Chip
 
   
9 mm 11 mm 8,5mm 100 m 18 m
7 mm 8 mm 6,18mm 139 m 13 m
15 mm 18 mm 13,9mm 63 m 30 m
36 mm 44 mm 34 mm 33 m 72 m

Dies Spiel mit Objektiven ist nicht nur dann von Bedeutung, wenn man mit dem Weitwinkel einen Platz weiträumiger oder aber mit der Tele-Linse einen Meeresarm schmaler erscheinen lassen möchte.

Auch wenn Sie Einzelpersonen oder Gruppen filmen, können Sie den Hintergrund durch die Brennweite, in Verbindung mit einem entsprechenden Abstand vom Motiv, beeinflussen. Kurze Brennweiten erbringen viel Hintergrund, lange einen knappen Hintergrund-Ausschnitt.

So wollte ich einmal eine kleine Ballettratte filmen. Als "background" stand mir ein faszinierend hässlicher Hinterhof zur Verfügung. Das hätte man natürlich ausnützen können, um in Masche zu machen und hübsche Beine im Kontrast zu überquellenden Mülleimern zu zeigen. So etwas sagt mir aber nicht recht zu. Leider gab es nur einen ganz dünnen Mauerstreifen, der einigermaßen gleichmäßig weiß getüncht war. Ich half mir nun dadurch, dass ich das Mädchen aus möglichst weiter Entfernung mit der "langen Linse" filmte. Zwar musste ich eine Tür öffnen, um die Aufnahme aus einem Hausflur heraus zu drehen - es gelang mir aber, den Hintergrund auf den weißgetünchten Streifen zu beschränken.

Wollen Sie einmal eine Waldszene drehen, haben aber dazu lediglich einen Schrebergarten mit drei Johannisbeerbüschen zur Verfügung, können Sie ebenfalls durch Einsatz der "langen" Linse "einen dunklen Tann" zaubern. So etwas gelingt so überzeugend, dass Sie bei der Vorführung des Filmes letzten Endes noch selbst an den gar nicht vorhandenen Wald glauben.

Die "lange Linse" holt aber nicht nur die Dinge näher heran, verringert auch nicht nur die Entfernung in die Raumtiefe; auch Objekte in großer Höhe, die Sie mit dem Normalobjektiv nur verkantet auf den Film bannen, können Sie damit scheinbar auf den Boden herabziehen. In Paris filmte ich ein altes Mütterchen, das gerade zum Fenster herausschaute. Der Reiz des Motivs bestand darin, dass ihr zur Seite ein Hündchen saß, das physiognomisch einige Ähnlichkeit mit ihr aufwies. Man sagt ja, dass Hunde im Laufe ihres Lebens ihren Herrchen oder Frauchen ähnlich werden - oder auch umgekehrt. Jedenfalls drehte ich zunächst eine Einstellung schräg von unten. Zur zweiten Einstellung begab ich mich auf die gegenüberliegende Straßenseite, um das Idyll im ersten Stock mit der langen Brennweite aufzunehmen. Bei der Projektion des Motivs wurde mir so richtig klar, dass die "lange Linse" als eine Art Leiterersatz dienen kann. Die Aufnahme wirkte so, als ob ich zum Drehen auf eine Feuerleiter gestiegen wäre und etwa aus Fensterhöhe gefilmt hätte.

"Galante" und "brutale" Objektive

Offensichtlich sind Objektive alles andere als objektiv. Ich würde sie am liebsten in "Subjektive" umbenennen. Aber ich bin dankbar für diese Subjektivität, weil sie es ist, die es uns eben gestattet, einen Film nach unserem Belieben und nach unserem persönlichen Geschmack individuell zu gestalten.

So kommt es auch bei der Großaufnahme von Gesichtern ganz entscheidend auf die Brennweite an. Um die Ebenmäßigkeit eines schönen Antlitzes auch auf das Zelluloid zu bannen, ist es unbedingt notwendig, bei der Aufnahme einen gewissen Mindestabstand Kamera-Objektiv einzuhalten. Legt man Wert auf einen groß aufgefassten Ausschnitt des Gesichtes, bedeutet das eben den Einsatz einer "langen Linse". Für hübsche Mädchen und Kinder sollte im allgemeinen ein Abstand von 1,50 m unter keinen Umständen unterschritten werden. Die Entfernung muss überbrückt werden durch die Wahl der geeigneten - in diesem Falle langen - Brennweite.

Gehe ich mit einer kurzen Brennweite zu nahe an ein Gesicht heran, so entstehen perspektivische Verzerrungen. Die Nase wirkt zu groß und zu knollig, die Ohren erscheinen zu klein. Auf der Leinwand sieht es sogar so aus, als ob sich Form und Größe der Nase änderten, wenn während der Aufnahme der Kopf gewendet wird. Das Gesicht Bekannter erscheint uns fremd, unvertraut, eigenartig. Wir sind es eben auch nicht gewöhnt, ein Gesicht aus so extremer Nähe zu betrachten. So nahe sind wir einem anderen Antlitz schließlich nur beim Küssen. Und da macht man die Augen zu - habe ich mir sagen lassen!

Für lustige, karikierende Filmsituationen ist die extreme Weitwinkelaufnahme natürlich das Richtige. Selbstverständlich auch dann, wenn Sie in Versuchung geraten sollten, mit grauenhaften Fratzen Herrn Hitchcock Konkurrenz zu machen.

So nach und nach wird jeder Filmfreund feststellen, dass er mit der einen oder anderen Brennweite besonders gerne dreht. Sicherlich haben Sie es auch schon gemerkt, dass mein Herz stark an den längeren Brennweiten hängt. Ich gebe zu, ich mag da etwas einseitig sein. Besonders schätze ich die Brennweite 15 mm, die "lange Linse", die man gerade noch ohne Stativ aus der Hand bedienen kann. Für Super-8 wären das 18-20 mm (bei Video 14 mm), da in diesem Falle ein 15 mm-Objektiv ja noch als Normalbrennweite gilt.

Rasende Schnelligkeit durch Weitwinkeleffekt

Ich sehe schon, ich muss jetzt unbedingt etwas zur Ehrenrettung der kürzeren Brennweiten tun! Haben Sie es nicht auch schon miterlebt, wie ein Rennwagen im Höllentempo auf Sie zurast - im Kino oder vor dem Bildschirm natürlich?! Ein kleines Pünktchen, in dem man zunächst den Rennwagen nur vermuten kann, schwillt explosionsartig zu einem großen, bildfüllenden, ja bildsprengenden Objekt an. So entsteht der Eindruck höchster Geschwindigkeit. Rennwagen sind zwar schnell, aber ein Kameramann bemüht sich selbstverständlich, den Eindruck noch zu übersteigern, zu dramatisieren. Und gerade das kann er mit Hilfe der kurzen Brennweite. Er geht so nahe wie möglich an die Rennbahn heran. Dort wirft er sich zu Boden. Möglichst sucht er sich eine Kurve aus. Dann hat er den Wagen bis zum letzten Augenblick frontal im Bilde. Von unten peilt er das heranbrausende Gefährt an. Der nahe Abstand zum Objekt in Verbindung mit einem Weitwinkel ergibt eine effektvolle Überbetonung der Schnelligkeit. Der tiefe Kamera -Standpunkt unterstreicht die Wirkung. Ich möchte sogar die Hauptaufgabe eines Weitwinkels im Film nicht wie in der Fotografie im Erfassen eines möglichst weiten Bildwinkels sehen, sondern in erster Linie in der Steigerung des Bewegungseindruckes. Beim Radfahren, Rollschuhlaufen oder Rodeln nutze ich diesen Effekt sehr gerne aus.

An einem schönen Wintertag zog ich mir "Räuberzivil" an und ging mit meinen Kindern zum Schlittenfahren. Mitten in der Bahn baute ich mich auf, an einer Stelle, wo die beiden hart an mir vorbei mussten - dort kniete im mich in den Schnee. Meine Absicht war, den Schlitten schnell auf mich zurasen zu lassen und die Kamera - wenn er an mir vorbeibrauste - herumzureißen. Kurz, es sollte eine besonders eindrucksvolle Verfolgungs-Aufnahme werden. Unter uns muss ich zugeben, dass trotz einiger vorausgehender "Trockenübungen" die erste Aufnahme nicht ganz glückte. An der zweiten, die ich vorsichtshalber gleich hinterher drehte, hatten wir dafür um so mehr Freude.

Die "lange Linse" kann konsequenterweise eine Bewegung filmisch verlangsamen. Bei Fernsehübertragungen von Pferderennen scheinen die Tiere oft in einer dichtaufgeschlossenen Gruppe zu laufen. Obwohl sie sich wacker abstrampeln, sieht es so aus, als ob sie einfach nicht von der Stelle kämen. Lange und kurze Brennweiten bremsen, beziehungsweise beschleunigen nur Bewegungen, die direkt auf die Kamera zu oder von ihr weg führen. Eine Bewegung quer zur Kamera kann man beliebig aus nahem Abstand mit einer kurzen oder aus einem weiten Abstand mit einer längeren Brennweite filmen. Am Bewegungseindruck ändert sich dadurch nicht das geringste.

Unbemerkte Schnappschüsse

Ich filme gerne heimlich, still und leise, ohne großes Aufsehen zu erregen. Dabei habe ich an sich kaum Ambitionen, da zu filmen, wo es gerade nicht erlaubt ist. Die Menschen jedoch, die ich gerne aufs Korn nehme, benehmen sich viel ungezwungener, wenn sie nicht bemerken, dass das Auge einer Kamera auf ihnen ruht. Heimlich versuche ich auch immer wieder, meine Kleinen zu filmen. Kinder bis zu 4 oder 5 Jahren sind der Kamera gegenüber völlig unbefangen. Später jedoch ändert sich das. Die Kinder wirken im Film dann leicht verkrampft. Nun ist der unbemerkte Schnappschuss am Platze - der übrigens auch arrangiert werden kann. Ideale Schnappschussobjektive sind sowohl die sehr kurzen wie die sehr langen Brennweiten.

Die Weitwinkel-Optik sehen Sie vor, wenn Sie damit rechnen, dass Sie ganz plötzlich die Kamera zücken müssen. Ohne Rücksicht auf die Entfernung des Motivs können Sie damit frei von der Leber weg filmen. Sie gehen nahe an Ihr "Opfer" heran und drehen einfach "blind", also ohne durch den Sucher zu blicken. Vergessen Sie aber bitte nicht, vorsichtshalber das Reflexsucher-Okular mit dem Daumen abzudecken, damit sich da nicht von hinten meuchlings ein verirrter Lichtstrahl einen Weg zur Filmschicht bahnt (das gibt es bei Videokameras nicht; der Sucher besteht bekanntlich aus einem kleinen Bildschirm, von dem aus kein Licht auf unseren CCD-Chip fallen kann). Während Sie ohne Sichtkontrolle drehen, können Sie normalerweise weder auf einen geraden Horizont noch auf stürzende Linien achten. Ich filme meine Objekte daher in diesem Falle möglichst von unten. Dann habe ich als Hintergrund lediglich den Himmel, und dem sieht man kaum an, wie schief er aufgenommen wurde (zudem haben wir bei neueren Videokameras den ausklappbaren LCD-Schirm, mit dessen Hilfe wir sehr wohl auch in solchen Situationen das Bild sehr genau unter Kontrolle halten können. Das ist ein Grund mehr, warum wir unter Einsatz einer kurzen Brennweite öfter mal versuchen sollten, unbemerkte Aufnahmen zu machen).

Das ist allerdings dann nicht nötig, wenn ich beispielsweise die Kamera auf einen Frühstückstisch, der nicht wackelt, auflegen kann. Ausgelöst wird ganz heimlich mit dem Drahtauslöser (der bei Videokameras durch die noch leichter benutzbare Fernbedienung ersetzt ist).

Mit einer langen Brennweite ist das Blind-Filmen unmöglich. Schon die Entfernungseinstellung könnte nicht genau vorgenommen werden. Lange Linsen erfordern aber auch, im Gegensatz zu kurzen Brennweiten, eine ständige Kontrolle des Sucherausschnittes mit dem Auge. Die Chance, mit ihnen unbemerkt zu filmen, liegt vielmehr in dem großen Motivabstand, den wir mit ihrer Hilfe einhalten können. Selbst wenn unser Opfer merkt, dass da irgendwo gefilmt wird, muss es sich so weit "vom Schuss" fühlen, das es nicht einmal auf die Idee kommt, selbst betroffen zu sein.

Je länger die "Kanone" ist, desto besser sind selbstverständlich die Erfolgsaussichten für "Tele-Schnappschüsse". Auch wilde Tiere sind typische Tele-Motive. Manche lassen einen nicht nahe genug herankommen, bei anderen legt man selbst keinen gesteigerten Wert darauf.



Als der russische Staatszirkus in Hamburg gastierte, hätte ich die Löwen auch in der Manege mit der kurzen Brennweite filmen können. Als Tierfreund entschloss ich mich jedoch für die Anwendung der "langen Linse" - meine Kamera und mein Ehering hätten bei den lieben Kätzchen Verdauungsbeschwerden hervorrufen können. Und ganz unter uns - bitte sagen Sie es nicht weiter - meine im doch: Tapferkeit ist gut, aber Teleobjektiv ist besser!

1001 "maßgerechte" Objektive in einem: das Vario-Objektiv

Ich habe Ihnen bereits angedeutet, dass ich selbst nicht mit der Brennweiten-Skala von vier Objektiven, sondern mit einer einzigen Optik filme. Da dehnbar wie Kautschuk, nennt man das Vario-Objektiv auch Gummilinse.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, Ihnen die filmischen Möglichkeiten, die diese Wunderlinse erschließt, zu schildern. In 99 von 100 Fällen setze ich sie jedoch ein wie eine feinabgestufte Auswahl vieler einzelner Brennweiten. Bei dieser - der wichtigsten - Anwendungsweise des Vario-Objektives, zeigen sich bereits zwei entscheidende Vorteile gegenüber einer Serie auswechselbarer Brennweiten:

Die Gummilinse erlaubt den schnellstmöglichen Brennweitenwechsel, der überhaupt denkbar ist. Ein Drehung am Führungshebel genügt ( früher hatte man bei den Filmkameras einen Verstellhebel direkt am Objektiv. Heute haben wir bei den Videokameras leider oft nur noch die elektrische Verstellwippe für Tele oder Weitwinkel). Außerdem aber - und das finde ich nicht weniger interessant - lässt sich die Optik ganz exakt an den jeweilig gewünschten Bildausschnitt anpassen. Nehmen wir an, Sie filmen im Sande spielende Kinder. Sie wollen erst einen Überblick drehen und dann die Gesichtchen in Großaufnahme zeigen. Wechseln Sie jetzt ein normales (festes) Weitwinkelobjektiv gegen eine (feste) längere Brennweite aus (wie das früher bei den Doppel-8-Filmkameras so üblich war), so wird der Bildausschnitt im allgemeinen nicht ganz genau Ihrem Wunsche entsprechen. Sie müssen sich dem Objekt ein paar Schritte nähern oder sich von ihm entfernen. An der Gummilinse hingegen stellen Sie einfach eine "ungerade", genau passende Brennweite ein - vielleicht 21,3 mm. Ein "starres" Objektiv dieser Länge gibt es gar nicht.

Als ich von einem Hügel aus den Hafen der Insel Iz filmte, konnte ich den Bildausschnitt ganz genau so festlegen, wie er mir vorschwebte. Jedes Motiv bekommt sozusagen durch die Gummilinse seinen maßgerechten Rahmen. Es gibt kein Zuwenig und kein Zuviel. Wer besonders gerne Nahaufnahmen dreht, wird diesen Vorteil bald schätzen lernen . Leider muß ich jetzt wieder warnend den Zeigefinger erheben! Bitte keine Brennweiten, die länger als 15 mm (Doppel-8) beziehungsweise 18,5 mm bei Super-8 (bzw. 14 mm bei einer 1/4"-Chip Videokamera) sind, einstellen, wenn nicht zumindest die Möglichkeit besteht, sich aufzustützen!

Echte Fahraufnahmen

Um den Fahreffekt des Vario-Objektives, den wir anschließend besprechen, richtig zu würdigen, möchte ich Ihnen zunächst etwas über echte Fahraufnahmen erzählen. Sie entstehen dadurch, dass sich die Kamera während der Aufnahme fortbewegt. Das macht selbst dem Berufsfilmer noch Schwierigkeiten. Damit die Kamera erschütterungsfrei gleiten kann, wird sie auf einen Stativwagen gesetzt. Im unebenen Gelände müssen sogar Schienen verlegt werden, auf die eine "Stativ-Draisine" gesetzt wird. Manche Amateure benutzen auch kleine Wagen, auf die sie ihre Stative setzen. Ich selbst lehne es ab, mich so weit der Studiopraxis zu nähern! Liebhaberei muss Liebhaberei bleiben.

Im würde auch auf die echte Fahraufnahme mit keinem Wort eingehen, wenn sie nicht etwas Besonderes an sich hätte. Fährt man an ein Objekt heran, so ändert sich ständig der Blickpunkt. Daher ist während des Fahrens gedrehten Streifen eine so intensive perspektivische Wirkung eigen! Manche Filmaufnahmen von Kirchenschiffen erscheinen durch den Fahreffekt tatsächlich so räumlich, dass man im Augenblick fast meint, man hätte einen Stereo-Film vor sich. In der Tat hat die Fahraufnahme etwas Verwandtes mit einem Stereo-Foto. Während zum stereoskopischen Sehen jedoch verschiedene, von etwas unterschiedlichem Standpunkt aus fotografierte Bilder gleichzeitig betrachtet werden, sehen wir bei der Fahraufnahme in kurzem, zeitlichem Abstand einander folgende Bilder, die ebenfalls von etwas unterschiedlichem Standpunkt aus aufgenommen wurden.

Es ist zwar sehr reizvoll, in Filmen diesen Effekt zu beobachten - wie können wir ihn aber für unser eigenes Filmschaffen nützen? Probieren wir es doch einmal, aus dem fahrenden Auto heraus Aufnahmen zu machen. Das geht - falls die Straße keine Schlaglöcher aufweist. Für diesen Zweck gibt es sogar ein besonderes Autostativ. Damit kann man die Kamera hinter der Windschutzscheibe anbringen. Allzu viel ist aber auch da ungesund, nicht nur für den Film, sondern besonders für die Leute, die bei einem Trip in 10 Tagen durch ganz Europa das Autostativ als Entschuldigung dafür benutzen, dass sie überhaupt nicht mehr aussteigen. Ich habe auch versucht, meinen Apparat mittels Klemm-Stativ auf der Lenkstange eines Fahrrades zu befestigen und während des Strampelns zu drehen. Bei der Projektion schienen aber die Häuser Twist zu tanzen. Ein gut gefederter Kinderwagen lässt sich schon eher als improvisiertes Stativ benutzen.

Der ideale Untersatz für Fahraufnahmen ist ein lautlos dahingleitendes Boot. Ich habe übrigens im Anschluss an die turbulenten Schlittenszenen von meinen Kleinen noch selbst eine Aufnahme vom fahrenden Schlitten aus gedreht. Das gibt der Winterszene so die rechte Abrundung. Meine Aufnahmen aus der fahrenden Achterbahn darf ich allerdings empfindlichen Gemütern in Großprojektion gar nicht zeigen, so "lebensecht" wirken sie.

Fahraufnahmen gelingen mit den uns üblicherweise zur Verfügung stehenden Mitteln jedoch am besten im Nahbereich. Da ich den Eisenbahntrick ausführlich noch im Drehbuch "Eins ist sicher" schildere, möchte ich mich jetzt auf die filmische Verwertung eines Teewagens beschränken. Unter der schräg nach unten filmenden Kamera wird ein Teewagen durchgeschoben. Obenauf liegt - zum Beispiel - ein Städtchen, das ihre Kinder aus Bauklötzen errichtet haben. Versuchen Sie mehrere Aufnahmen. Jedes mal ändern sie die Geschwindigkeit, mit der Sie den Wagen unter der Kamera vorbeischieben. Bei drei Versuchen werden Sie bestimmt einen dabei haben, der Sie glauben lässt, Sie hätten eine Luftaufnahme auf den Film gebannt.

Räumlich oder sogar wie in diesem Falle, besser gesagt, plastisch kommen im Film Gegenstände, die Sie zum "Tanzen" bringen. Ich wollte so einige nette kleine Sachen: Schöne Gläser, Kinderspielzeug, eine festlich geschmückte Torte, filmen. Im Naturzustand war mir das aber alles zu leblos. Daraufhin setzte ich erst die Gläser, dann die Torte auf einen Tortenteller, den Karin vorsichtig drehen musste. Die Dinge gewannen nun im Film Leben und dazu eine unerhörte greifbare Körperlichkeit. Fast meint man, sie im Projektionsbild betasten zu können. Bedeckt man den drehbaren Tortenuntersatz mit schwarzem Seidensamt und legt damit gleichzeitig den Hintergrund aus, dann scheinen sich die Objekte sogar im leeren Raum zu drehen. Der Effekt reizt mich, gelegentlich einmal einen utopischen Film über fliegende Untertassen zu gestalten.

Und nun: der Vario-Fahreffekt

Die Fahraufnahme lässt sich durch das "Zoomen" - so nennt man den Fahreffekt mit dem Vario-Objektiv - ersetzen. Verlängern Sie während des Drehens die Brennweite, wirkt das im Film so, als ob Sie näher an Ihr Motiv heranführen. Umgekehrt erweckt das allmähliche Zurückdrehen der Linse den Eindruck einer Rückwärtsfahrt der Kamera. Das sehen Sie ja alles bereits, wenn Sie durch den Sucher blicken und dabei die Brennweite ändern. Beachten Sie aber bitte die 6 Regeln, die ich für Sie zusammengestellt habe! Sie haben dann mehr Freude an Ihren Fahreffekt-Aufnahmen.

  * Drehen Sie Fahreffekte nur vom Stativ aus oder aufgestützt auf eine sehr feste und sichere Unterlage!
 
  * Probieren Sie vor der Aufnahme den Fahreffekt "trocken"!
 
  * Fahren Sie vor der Aufnahme Ihr Objektiv auf die längste Brennweite aus, und stellen Sie danach die Entfernung ein. Beachten Sie diesen Punkt nicht, so müssen Sie damit rechnen, dass das Bild zwar scharf ist, solange kurze Brennweiten eingesetzt werden, aber mit zunehmender Länge der verwendeten Brennweite mehr und mehr verschwimmt.
 
  * Nehmen Sie sich, wenn Sie den gesamten Brennweitenbereich von Anschlag zu Anschlag durchfahren, Zeit: 6 Sekunden sollte der Fahreffekt mindestens dauern! (Auf Ausnahmen kommen wir gleich noch zu sprechen.) Mit dem Fahreffekt ist es jedoch ganz ähnlich wie mit dem Schwenk. Sie brauchen ja nicht immer den ganzen Brennweitenbereich zu durchfahren. Die kleine Fahreffekt-Aufnahme, beispielsweise von 10 mm auf 15 mm oder von 20 mm auf 30 mm, kann - an der richtigen Stelle angewandt - ganz besonders eindrucksvoll sein.
 
  * Benutzen Sie aber vor allem diesen Effekt wie den Schwenk nicht zu häufig, wenn auch die Freude am Spiel mit dem Vario-Objektiv Sie dazu verführen mag.
 
  * Lassen Sie - ähnlich wie beim Schwenk - vor und nach der Fahreffektaufnahme Ihr Objektiv unbewegt für etwa 2-3 Sekunden auf dem Motiv verharren!
 
Ich bin mir darüber im klaren, dass der Fahreffekt ein Ersatz für die Fahraufnahme ist - ein guter Ersatz, aber eben ein Ersatz. Dennoch weiß ich ihn zu schätzen. Auf der Akropolis habe ich zwischen den Säulen des Partenon hindurch die Korenhalle des Erechtheion aufgenommen. Nur die Gummilinse ermöglicht es, von dort aus den zu Säulen erstarrten hübschen Mädchen näher zu kommen. Eine echte Fahraufnahme wäre auf dem mit Steinen übersäten Grund unmöglich.

Mehrfach musste ich mittlerweile betonen, dass zwischen Fahreffekt und Schwenk offensichtlich so eine Art" Wahlverwandtschaft" besteht. Vielleicht liegt es daran, dass mir das unmittelbare Nahebeieinander von Fahreffekt und Schwenk - oder umgekehrt - besonders zusagt, wenn nur eine solche Folge gemächlich genug ausgeführt wird. Ein Beispiel für einen sinnvollen Ablauf dieser Art könnte etwa so aussehen:

Ein junges Mädchen stellt einen Band in das Bücherregal zurück. Nun löst sich die Kamera von ihr und schwenkt über eine Reihe von Buchrücken hinweg. Bei einem bestimmten Titel verharrt sie. Langsam "fährt" sie näher heran, bis die Schrift zu lesen ist. Es handelt sich um ein Kochbuch. Die nächste Szene spielt dann in der Küche.

Ein spezieller Verfolgungstrick gelingt ebenfalls nur mit dem Vario-Objektiv. Ich wohne in der Nähe des Hamburger Flughafens und habe versucht, die Kamera mit startenden Flugzeugen mitzuziehen. Gleichzeitig wollte ich das Objektiv langsam ausfahren, damit die Flugzeuge bei der Projektion noch eine ganze Weile unverändert groß bleiben. Das ist nicht ganz einfach. Mit Fußgängern tut man sich da schon etwas leichter. Nicht weniger spannend ist es aber, die Geschwindigkeit ankommender Flugzeuge zu beschleunigen. Während die Maschine auf mich zubraust, fahre ich gleichzeitig die Linse von der äußersten Weitwinkel- bis zur längsten Fernobjektiv-Stellung aus.

Dramatische Wirkungen mit der Gummilinse.

Durchfahren Sie die ganze Brennweiten-Skala ausnahmsweise einmal in nur einer Sekunde und visieren Sie das Objekt dabei von oben her an, so entsteht der Eindruck, als ob die Kamera auf ein Motiv direkt zustürze.

Übrigens ist das ein bewährter Kriminalfilm-Trick:
Die suchende Kamera tastet den Raum ab. Der Zuschauer fühlt sich dadurch in die Rolle eines Detektives versetzt, der prüfenden Blickes den Tatort nach Indizien absucht. Plötzlich "fällt" die Kamera auf ein blutiges Messer zu und zeigt es einige Sekunden ganz groß im Bild. Das Indiz ist entdeckt!

Akustisch wird das meist noch durch einen schrillen Ton, etwa ein lautes "BOING", untermalt. Manchmal ertönt auch während des "Absuchens" leise, sich allmählich steigernde Musik, die dann plötzlich abbricht, wenn das Objektiv "zupackt". Solange die Linse auf dem blutigen Messer verharrt, füllt atemberaubende Stille den Raum.

Die "fallsüchtige" Kamera können Sie regelmäßig bei Fußballübertragungen im Fernsehen beobachten. Verläuft das Spiel ruhig, blickt die Kamera mit dem Weitwinkelauge souverän über den Sportplatz hin. Kaum wird die Situation jedoch torverdächtig, stürzt sie sich scheinbar mitten hinein ins Getümmel: die Gummilinse reckt sich zur Telestellung und pflückt den interessantesten Ausschnitt aus dem Spielfeld heraus. Dieses blitzartige Hineinfahren hat etwas ungeheuer Erregendes an sich. Es reißt den Zuschauer mit.

Das schnelle "Zoomen" ist besonders eindrucksvoll, wenn die Kamera von oben nach unten äugt, weil gerade das die Empfindung des Fallens auslöst. Es ist einem bei der Projektion, als ob man selbst direkt in das Geschehen auf der Leinwand hineinfiele.

Blickt die Gummilinse aber von unten nach oben und holt sie sich plötzlich blitzschnell ein Gesicht in Großaufnahme heran, dann unterstreicht sie den Eindruck psychischer Erregung. Der Mann, dessen Gesicht da auf einmal groß erscheint, hat etwas Unheimliches gesehen, ist erschrocken oder fühlt sich ertappt. Das ist übrigens wieder so ein Trick, den die Zuschauer - soweit sie nicht selbst filmen - einfach nicht durchschauen! Sie werden mitgerissen, wissen und fühlen vor allem, dass der da auf der Leinwand zutiefst erschrocken ist, etwas Fürchterliches erblickt hat. Wie Sie aber diesen Eindruck hervorgerufen haben - das merkt kaum jemand.

Soweit, so gut!  Ein - fast möchte ich sagen - übler Vario-Effekt ist das "Pumpen". Die Gummilinse wird dazu einige Male hintereinander schnell und rhythmisch ein- und ausgefahren.

Bevor die Arzneimittelwerbung im Fernsehen verboten war, hat eine Firma einen Werbespot gezeigt, in dem fast ausschließlich fleißig gepumpt wurde. Das angepriesene Mittel sollte die Kopfschmerzen beseitigen, die der Zuschauer durch die Gestaltung der Werbesendung bekam.

Probeweise habe ich auch schon ein paar Mal gepumpt. Diese Streifen aber in einen Film einzubauen, den ich meinen Freunden zeige, dazu konnte im mich bisher noch nicht entschließen.