Film- und Videoclub Rüsselsheim e.V.

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DIE ERSTEN SCHRITTE ALS KAMERAMANN

Inzwischen haben Sie sicherlich Ihre funkelnagelneue Kamera vor sich liegen und auch schon etwas damit gespielt. Es bleibt für Sie eigentlich nur noch eines zu tun übrig: Ihr Objektiv so einzustellen, dass Sie auch wirklich jederzeit schussbereit sind.

Jederzeit schussbereit

Natürlich juckt es Sie jetzt in den Fingern, sofort alle Möglichkeiten der Gummilinse auszuprobieren. Bitte, tun Sie mir einen Gefallen und beherrschen Sie sich! Wenn es auch noch so schwer fällt - und es fällt schwer, sehr schwer sogar: Drehen Sie Ihre ersten Filme ausschließlich mit kurzen Brennweiten. Ziehen Sie das Ding auf 13 mm oder wenn möglich noch besser auf 10 mm ein. Wir werden im nächsten Kapitel über die zahlreichen hochinteressanten Aufnahmemöglichkeiten berichten, die lange wie kurze Brennweiten erlauben.

Für die ersten Versuche ist die Beschränkung auf die kurzen Brennweiten jedoch das einzig richtige, weil das Filmen dadurch völlig problemlos wird. Die Entfernungsskalen der meisten Objektive enthalten eine Marke. Darauf eingestellt, zeichnet die Normalbrennweite bei einigermaßen hellem Licht alles total scharf auf, was zwischen 1 m und unendlich liegt. Sie brauchen die Schärfe nicht einmal im Reflexsucher zu kontrollieren. Auch wenn ich mit längerer Brennweite filme oder aber Nahaufnahmen mache, stelle ich vorsichtshalber mein Objektiv hinterher wie- der auf die Standardeinstellung zurück: 10 mm Brennweite und die Marke für die Normalentfernung. Ich will schließlich zur Aufnahme gerüstet sein, wenn überraschend ein 4 Wochen alter Dackel schweifwedelnd auf mich zukommt.

Wenn Sie also die Entfernungsskala und - beim Vario-Objektiv - auch die Brennweite gewissermaßen "einfrieren" lassen, so wird das mit dem Schlagwort "Fixfocus-Einstellung" bezeichnet. Zur Fixfocus- Einstellung brauchen Sie aber durchaus kein Fixfocus-Objektiv! Jedes andere Objektiv leistet mit Hilfe der geschilderten Einstellung dasselbe und bei Bedarf noch eine ganze Menge mehr.

Tief Luft holen - und abdrücken!

Eines ist beim Filmen wichtiger als beim Fotografieren: Die Kamera muß unbedingt ruhig und unverkantet in der Hand liegen. Gewiss - an sich ist das Filmen viel einfacher als die Bedienung eines Fotoapparates. Sie fotografieren zum Beispiel zwei Jungen, die sich in den Haaren liegen. Da müssen Sie jetzt genau - aber auch "haargenau" - einen Moment erwischen, in dem beide gleichzeitig einigermaßen deutlich im Sucher zu erkennen sind. Zudem muß dann, wenn Sie gerade "Klick" machen, der Kampf auch interessant sein. Setzen Sie auf dieses Motiv statt der Foto- die Filmkamera an, so enthält der Streifen auf jeden Fall einige "szenische Höhepunkte". Beide Jungen brauchen auch nicht die ganze Zeit über gleichzeitig zu erkennen zu sein. Einmal hat die Filmkamera den einen, dann gleich wieder den anderen gut im Bild. Einzig die Sache mit der ruhigen Hand - die hat es gerade beim Filmen in sich. Im Film läßt sich ein schräg stehender Turm nachträglich nicht mehr geraderücken und ein hin- und herschwankender schon gar nicht. Achten Sie also bitte darauf, daß die Kamera bei der Aufnahme genau waagerecht und ruhig in der Hand liegt.

Ein Bekannter von mir kam doch unlängst tatsächlich auf die Idee, mich im "Hochformat" zu filmen. Anstatt gemütlich einher zuspazieren, steige ich jetzt kerzengerade eine abschüssige Wand hoch. Dadurch wurde ich angeregt, diesen Effekt ganz bewust zu Trickaufnahmen auszunutzen. Leute, die auf allen vieren über einen steinigen Grund kriechen, verwandeln sich, im Hochformat aufgenommen, plötzlich zu todesmutigen Kletterern.

Ein schiefer oder aber schwankender Horizont auf dem Bilde wirkt dagegen weder interessant noch komisch. Nur wenn Sie in einem Boot fahren und den Seegang dramatisieren wollen, wenn Sie Filmaufnahmen aus der fahrenden Achterbahn heraus schießen oder den von sich aus bereits schaukelnden Gang eines Angeheiterten filmisch noch etwas "abrunden" möchten, dann dürfen Sie einmal - ausnahmsweise - die Kamera nach Kräften schaukeln lassen. Ansonsten aber: Filmen Sie ruhig, ruhig und nochmals ruhig!   Mit gutem Grund reite ich auf diesem Punkt besonders herum: Mit meinem aller ersten Film hätte ich an sich bereits ganz zufrieden sein können. Leider waren damals viele Aufnahmen einfach zu "zittrig". Da ich Ihnen auch bei Ihrem ersten Film jede Enttäuschung ersparen will, bitte ich Sie: bekommen Sie die Kamera fest in den Griff - notfalls mit "Trockenübungen". Mit der rechten Hand halten Sie die Kamera von unten am Handgriff, der an die meisten Filmkameras angebaut ist. (Anmerkung: Bei vielen Videokameras ist es heute die Handschlaufe, die ein festes Umfassen der Kamera mit der rechten Hand zulässt.) Die Linke hält das Gehäuse von oben. So ruht das Gerät sicher in Ihren Händen. Dennoch - wenn Sie gerade mit Skiern einen Berg hochgekrabbelt sind, Ihre Wohnungseinrichtung umräumten oder eben Ihren Steuerbescheid erhalten haben, dann sind Ihre Hände so unruhig, dass Sie den Film mit Sicherheit "verzittern". In diesem Falle gilt die goldene Regel: Erst dreimal tief Luft holen und kräftig durchatmen, dann können Sie wirklich in Ruhe auf den Auslöser drücken.

Beim Filmen nutze ich jede Möglichkeit, mich aufzustützen. Mit den Ellenbogen lehne ich mich auf eine Stuhlkante, einen Zaun oder einen Stein. Notfalls kann ich mich auch hinsetzen und an den eigenen Knien Halt finden. Das ist natürlich nicht ganz angebracht, wenn Sie im Smoking eine Hochzeitsgesellschaft filmen. Am Wochenende aber, mit Räuberzivil angetan, können Sie sich schließlich sogar auf den Bauch legen, um die Ellenbogen auf der Erde aufzustützen. Im äußersten Falle bleibt immer noch die Möglichkeit, sich irgendwo anzulehnen. Baumstämme oder Mauern sind dafür wie geschaffen. Sie pressen einfach Kopf und Schultern gegen den "Rückhalt". Haben Sie jemanden zur Verfügung, der Ihnen assistiert, so können Sie an dessen Rückfront Halt finden - falls dabei nicht irgendwelche unkontrollierbaren Dinge ins Spiel kommen, die sich negativ auf den ruhigen Bildstand auswirken. Besonders für Aufnahmen mit längerer Brennweite empfehle ich Ihnen dringend, jede sich bietende Gelegenheit, sich anzulehnen oder sich aufzustützen, auch wirklich zu nutzen.

Einen Bildstand von professioneller Qualität erreichen Sie mit einem stabilen Stativ. Über seine Zweckmäßigkeit zerstreiten sich die Fachleute. Nach der Erstauflage dieses Buches machte mir jemand den Vorwurf dass im zu stark das "Frei-aus-der-Hand- Filmen" betone. Ein anderer bat mich, noch "lauthalsiger" als ich es ohnehin schon tue, auf die Möglichkeiten des unbeschwerten und ungebundenen Filmens hinzuweisen. Nun - ich bin viel zu bequem, um auf jede Wanderung so ein Ding mitzunehmen. Wie man's auch dreht und wendet, eine Belastung stellt es in jedem Falle dar. Mit etwas Wehmut blicke ich auf meinen eigenen jugendlichen Elan zurück, den ich während einer Wanderung zum Heiligen Berg Athos vor einem Jahrzehnt noch an den Tag legte. Die Mönche des idyllisch gelegenen Klösterchens Karakallou umstanden mich und verfolgten mit einem Anflug von kaum verhohlener Neugier meine Vorbereitungen zu einer Aufnahmeserie. Als ich meinen Schlafsack vom Rucksack abschnallte und daraus ein Stativ hervorholte, das ich langsam, Glied um Glied, auf 2,35 m auszog, schüttelten die würdigen Männer ihre Häupter. Wie konnte man es nur fertig bringen, solch ein Gerät über die allenfalls für Maultiere bequemen Athoswege zu schleppen. Heute nehme ich zwar meine Filmkamera praktisch auf jedem Spaziergang mit, ich lehne es aber ab, mich mit einem Stativ zu belasten und damit aus einer gemütlichen Schlenderei eine Expedition zu machen. Das Aufstützen und Anlehnen kann auch tatsächlich ein Stativ ersetzen - bis zu einer gewissen Grenze natürlich. Diese "Grenze" liegt beim Panoramaschwenk, dem ein guter Teil des nächsten Absatzes gewidmet ist, und bei der Einzelbildschaltung (die es bei Videokameras so nicht mehr gibt). Vorsichtshalber würde ich an Ihrer Stelle einen "Dreifuß", oder auch "Dreibein" genannt, über kurz oder lang auf alle Fälle in mein Budget einplanen.

Filmen Sie nämlich zu Hause oder im Garten, ist es doch recht praktisch. Schleppen Sie es nicht gerade "durch Gebirg und Tal" mit sich herum, spielt es auch keine Rolle, ob es ein bischen leichter oder schwerer ist. Stabil sollte es schon sein!

Wenn ich Ihnen schon fast unverantwortlich kostspielige Empfehlungen gebe, möchte ich gleich hinzufügen, dass als Kino-Neiger ein kleiner, sogenannter 3-D-Kopf einiges für sich hat. Ein normaler Kino-Neiger sorgt dafür, dass Sie Ihre Kamera quer und hoch schwenken können. Ist der Untergrund aber uneben, müssen Sie das dadurch aus- gleichen, dass Sie die Stativbeine in unterschiedlicher Länge ausziehen. Sonst steht die Kamera schief. Der 3-D-Kopf erlaubt es Ihnen, die Kamera ganz schnell gerade zurichten. Unter allen Umständen muss der Kino-Neigekopf jedoch mit einem Handgriff ausgestattet sein, durch den man einen Drahtauslöser hindurchziehen kann. Ein und dieselbe Hand führt dann die Kamera und löst aus!

Ich will aber zum Abschluss noch eine weitere Methode verraten, wie man sich ohne solch ein schweres Stativ behelfen kann. Sie kennen sicherlich die kleinen Klemmstative, die sich an einem Ast oder einer Stuhllehne, einer Autotür oder einem Fensterbrett festklemmen lassen. Dafür, dass diese Dinger bequem in jeder Hosen- oder Handtasche Platz haben, sind sie außerordentlich stabil.

Schwenken - aber mit Bedacht!

Das Filmen wurde erfunden, um Bewegungen aufzuzeichnen! Daher sollte sich in erster Linie unser Objekt bewegen und nicht die Kamera. Nun können wir von manchen Film-Motiven wie Kulturdenkmälern oder Landschaften einfach nicht verlangen, dass sie sich bewegen! Im Film muss aber irgendwie etwas passieren, sonst könnten wir genauso gut eine Dia-Serie projizieren!

Da bieten sich nun zwei Möglichkeiten an: Sie können eine rasche Folge verschiedener Blickwinkel aneinander reihen. Nehmen wir an, Sie beabsichtigen, die Frauenkirche in München auf's Korn zu nehmen. Dann filmen Sie sie erst von Südosten, dann von Nordwesten, dann nehmen Sie nur die Türme schräg von unten auf, und so geht es weiter. Ich möchte ganz unmissverständlich feststellen, dass die rasche Blickpunktfolge die Standardmethode darstellt, unbewegten Motiven Leben zu verleihen.

Wir können daneben natürlich auch die Kamera selbst bewegen, indem wir sie schwenken. Das Schwenken hat jedoch so seine Gefahren. Ich blicke gerade vom Schreibtisch auf und sehe, wie Karin, die mir über die Schulter guckt, etwas gequält ihren Mund verzieht. Karins erste drei Filme sahen aber auch so aus, als seien sie bei Erdbeben aus einer Achterbahn heraus aufgenommen worden. Auch Sie werden trotz meiner "väterlichen Ermahnungen" ein paar Filme verschwenken. Wenn es nur die ersten zwei sind, dürfen Sie stolz sein! Sie haben dann einen Beweis Ihrer Willensstärke erbracht!

Es ist einfach zu verlockend, mit der Kamera nach oben oder unten, nach rechts oder links und vielleicht auch einmal quer in die Diagonale zu schwenken. Bitte - nicht, dass Sie mich missverstehen -, ich habe nichts gegen den Schwenk! Im Gegenteil, ich halte ihn für ein besonders reizvolles filmisches Gestaltungsmittel. Wenn Sie ihn aber mehr als einmal oder sagen wir allerhöchstens zweimal pro Film - Sie sehen, im beginne selbst schon wieder weich zu werden - anwenden, wird es empfindlichen Gästen während der Vorführung schwindelig!

Außerdem - wenn Sie einen Viertel- oder gar einen Halbkreis mit dem Schwenk ziehen - sollten Sie unbedingt ein stabiles Stativ benutzen. Selbst dann noch gilt es, den Kinoneigekopf vorsichtig zu handhaben, da man mit Gewalt auch einen Stativ-Schwenk verreißen kann! Unabdingbare Voraussetzung ist ein Stativ lediglich für den horizontalen Schwenk, mit dessen Hilfe Sie einen Landschaftsüberblick einfangen.

Der vertikale Schwenk von oben nach unten oder von unten nach oben ist viel harmloser. Mit der Standardbrennweite können Sie ihn aus der Hand drehen. Ich will nicht näher auf die Gründe eingehen, weshalb uns der vertikale Schwenk leichter fällt. Unlängst war ich jedenfalls sehr dankbar dafür. In einem kleinen Hafen eines Landes, das ich aus Diskretion nicht näher bezeichnen will, erschien ein Segelschulschiff - ein dankbares Motiv für einen Filmenden! Doch während ich drehte, schritt würdevoll ein Offizier auf mich zu und bedeutete mir, dass es nicht anginge, militärische Geheimnisse zu filmen. Ich ließ natürlich die Windjammer-Geheimnisse auf sich beruhen. Den Mastbaum des Schiffes hatte ich aber schon von unten nach oben aus der Hand abgeschwenkt - unbemerkt! Mit dem auffälligen Stativ wäre mir das sicher nicht gelungen. Der vertikale Schwenk dient aber durchaus nicht nur dazu, formatsprengende Masten, Türme oder Bäume zu erfassen. Er ermöglicht auch besonders wirkungsvolle Übergänge von einem nahen Vordergrund auf ein etwas weiter entferntes Motiv. Sie richten die Kamera steil nach unten, beispielsweise auf ein Büschel Margueriten, und schwenken dann über die Grasfläche hinweg auf ein spielendes Kind. Wie Sie sie aber auch immer schwenken, ob vertikal oder vor allem horizontal: Bitte, denken Sie an mich, nein, an meinen erhobenen Zeigefinger und an Karins erste drei verschwenkte Filme! Lassen Sie sich nie, nie, nie dazu verleiten, zu schnell zu schwenken.

Ein Schwenk von einem Viertel-Kreisbogen (90°) sollte mindestens 20 Sekunden dauern. Zählen Sie laut mit und probieren Sie den Schwenk, bevor Sie "heiß" drehen, einmal ohne auf den Auslöser zu drücken. Für einen Landschaftsschwenk stelle ich sogar gerne den 24er-Gang ein. Dadurch wird der Bildstand noch besser, der Schwenk noch ruhiger. Ich wollte einmal versuchen festzustellen, wie langsam man eigentlich ein Panorama abtasten darf, ohne daß die Zuschauer bei der Projektion zu gähnen beginnen. Aber offensichtlich kann man gar nicht langsam genug schwenken. Im Kino, auf dem Fernsehschirm und in vielen Amateur-Filmen habe ich nie einen zu langsamen Schwenk gesehen, wohl aber viele, die zu schnell oder zu unruhig sind.

Übrigens müssen Schwenks, wenn Sie mit längerer Brennweite filmen, noch gemächlicher gehalten werden, als wenn Sie ein Standard- oder gar Weitwinkelobjektiv einsetzen. (Anmerkung: Helmut Lange erklärt das mit 6 Sekunden für eine Bildbreite. Bei längerer Brennweite geht auf eine Bildbreite ein kleineres Stück der abzuschwenkenden Landschaft. Wenn Sie bei längerer Brennweite ebenfalls 6 Sekunden für eine Bildbreite nehmen, dann wird der Schwenk genau richtig). Die Faustregel lautet: Für einen 90° -Schwenk mit dem Normalobjektiv 20 Sekunden. Doppelt so lange Brennweite bedeutet doppelte Zeit, dreifach so lange Brennweite dreifache Zeit und so weiter! Das soll nun durchaus nicht heißen, dass nur ein Weitwinkelschwenk in Frage kommt. Bei Panoramaschwenks ist davon sogar dringend abzuraten! Fernsichten mit kleinen Details sind kein Motiv für den Schmalfilm (auch nicht für den Videofilm). Die Ferne erscheint verschwommen, milchig, ja sogar magermilchig - flau und blau! Wenn man so etwas aufnimmt, benötigt man unbedingt als nahen Vordergrund ein Mädchen, das in die Ferne schaut, oder einen Durchblick durch Bäume, zumindest aber durch Grashalme!

Und noch etwas: Beginnen Sie niemals, sofort zu schwenken, sondern lassen Sie das "Auge" Ihrer Kamera erst zwei bis drei Sekunden unbewegt auf Ihrem Motiv ruhen. Gehen Sie dann zum Schwenk über und lassen Sie ihn ausklingen, indem die Kamera auf dem Schlussausschnitt wiederum zwei bis drei Sekunden verharrt. Dieser letzte Ausschnitt aber sollte, vom Motiv her gesehen, einen Höhepunkt enthalten.

Von einer Anhöhe aus habe ich das malerische Inseldörfchen Veli Iz. gefilmt. Ich nahm erst die blanke blaue Meeresfläche auf, schwenkte dann langsam zum Dorf, bis das Linsen-Auge auf der hübschen Hafenbucht - dem schönsten Motivausschnitt - zur Ruhe kommen konnte.

Ich kann mir gut vorstellen, dass meine Warnung vor allzu wilden Panorama-Schwenks für Sie dem Biss in einen sauren Apfel gleichkommt. Schwenken ist doch zu schön! Einen Trost habe ich aber für Sie bereit. Es muss ja nicht immer gleich ein Panoramaschwenk sein! Versuchen Sie es doch einmal mit dem, was ich den "kleinen Schwenk" nennen möchte. Sie schwenken dabei ganz leicht um etwa eine halbe Bildbreite oder auch um ein kleines bisschen mehr. Dadurch können Sie - ohne dass Sie zum Weitwinkel greifen müssen - mit dem Normalobjektiv einen ganzen Raum einfangen oder aber ein Gebäude erfassen, das Sie auf andere Weise nicht ins Bild bekommen. Auf dem Bildschirm Ihres Fernsehgerätes, den Sie ja jetzt - da Sie selbst filmen - mit ganz anderen, mit geschulten Augen, studieren, können Sie beobachten, dass die Fernsehleute ausgesprochen häufig die Möglichkeit des "kleinen Schwenks" nutzen und dass er sehr gut wirkt. Auch wenn Sie das Colloseum, den Bamberger Dom oder die Akropolis filmen, verleiht der "kleine Schwenk" jedem Filmstreifen genügend Leben. Zudem können Sie ihn - im Gegensatz zum Panoramaschwenk - so- oft Sie wollen anwenden, weil der "kleine Schwenk" Ihre Filme nie zu unruhig erscheinen lässt.

Da es keine Regel ohne Ausnahme gibt - auch nicht beim Schwenk -, möchte ich noch einen ausgefallenen Tip verraten: In ganz seltenen Fällen geben Sie einem Filmstreifen eine besonders starke Wirkung, wenn Sie die Kamera während der Aufnahme abrupt hochreißen oder sie sogar in der Waagerechten um 180° "herumfetzen". Im habe das einmal in einer Fernsehinszenierung von Shakespeares "Antonius und Kleopatra" beobachtet. Des "kleinen Schwenks" nutzen und dass er sehr gut wirkt. Auch wenn Sie das Colloseum, den Bamberger Dom oder die Akropolis filmen, verleiht der "kleine Schwenk" jedem Filmstreifen genügend Leben. Zudem können Sie ihn - im Gegensatz zum Panoramaschwenk - so- oft Sie wollen anwenden, weil der "kleine Schwenk" Ihre Filme nie zu unruhig erscheinen lässt. Des "kleinen Schwenks" nutzen und dass er sehr gut wirkt. Auch wenn Sie das Colloseum, den Bamberger Dom oder die Akropolis filmen, verleiht der "kleine Schwenk" jedem Filmstreifen genügend Leben. Zudem können Sie ihn - im Gegensatz zum Panoramaschwenk - so oft Sie wollen, anwenden, weil der "kleine Schwenk" Ihre Filme nie zu unruhig erscheinen lässt.

Da es keine Regel ohne Ausnahme gibt - auch nicht beim Schwenk -, möchte ich noch einen ausgefallenen Tip verraten: In ganz seltenen Fällen geben Sie einem Filmstreifen eine besonders starke Wirkung, wenn Sie die Kamera während der Aufnahme abrupt hochreißen oder sie sogar in der Waagerechten um 180° "herumfetzen". Im habe das einmal in einer Fernsehinszenierung von Shakespeares "Antonius und Kleopatra" beobachtet.

Augenscheinlich wurden die verschiedenen Bilder auf zwei gegenüberliegenden Studiobühnen aufgebaut. Der Übergang erfolgte dann recht effektvoll, indem die Kamera von einer Bühne zur anderen herumgerissen wurde. Diese Technik - der sogenannte "Wischer" oder auch " Reißschwenk" - hat etwas Forsches an sich. Einen raschen, allerdings nicht ganz so abrupten Schwenk benutze ich manchmal als Überleitung. So filmte ich unlängst meine Kinder an einem idyllischen Küstenstreifen. Alexander (sein Sohn) schlief unter Kiefern, und Tamara (seine Tochter) planschte etwas weiter weg im Wasser. Ich nahm erst den schlafenden Kleinen auf, filmte Gesicht und Händchen, wiederholte noch einmal eine Gesamtaufnahme von Alexander und schwenkte dann rasch zu Tamara hinüber, die nun an die Reihe kam. In diesem Fall dürfen die Baumstämme schon einmal wie wild vorbei tanzen, weil es ja nicht darauf ankommt, die Landschaft zu erkennen. Der Wischer dient ja grundsätzlich nicht dazu, ein Motiv zu erfassen, sondern vielmehr zwischen zwei Motiven - in diesem Fall den beiden Kindern - eine Überleitung zu schaffen.

Mitziehen

Ich freue mich aber, dass ich Ihnen jetzt noch einen Sonderfall des Schwenkens nennen kann, dem Sie hemmungslos frönen dürfen: das Mitziehen. Springende Pferde, Rennwagen, Schnellzüge, Sportler, ja selbst spazierende Menschen können so schnell sein, dass sie mit einer unbewegten Kamera gar nicht so richtig erfasst werden können. Kaum hat man sie erschnappt, sind sie am Bildrand auch schon wieder entschlüpft. Ein solches Objekt muss dann die Kamera einfach verfolgen. Natürlich aus der Hand! Das ist einmal ein Fall, wo ein Stativ nicht nur entbehrlich sondern sogar völlig unzweckmäßig ist.

Die Insel Iz hat keine Quelle. Viele Frauen holen daher das Wasser aus weit entfernten Zisternen. Die schweren Eimer balancieren sie graziös auf dem Kopf. Das ist es wohl, was ihnen eine stolze, ja königliche Haltung verleiht. Leider waren sie dann auch wirklich so stolz, dass sie sich sehr ungern filmen ließen. Stellte ich mich ihnen von vorne in den Weg, um sie auf mich zukommen zu lassen, drehten sie nach der Seite ab. Daher setzte ich mich in den platanenbeschatteten Garten eines Lokals, um zu beobachten, was sich draußen auf dem Wege tat. Unbemerkt konnte ich nun die Wasserträgerinnen filmen. Da sie aber eben nicht mehr auf mich zukamen, sondern an mir vorbeigingen, musste ich sie, wenn ich sie länger im Bilde haben wollte, mit der Kamera verfolgen.

Sicherlich wenden Sie jetzt ein, dass sich meine Wasserträgerinnen verhältnismäßig schnell bewegt haben, und ich daher die Kamera viel schneller mitführen musste als beim Schwenk. Das ist ganz richtig. Nun ist das Verfolgen zwar eine Art Schwenk. Dennoch unterliegt es ganz anderen Gesetzen. Unser Hauptmotiv bleibt ja stets ruhig an ein und derselben Stelle im Bild. Da macht es gar nichts aus, dass der Hintergrund mehr oder weniger schnell vorbei huscht. Ein Problem beunruhigte mich allerdings: Ich hatte sozusagen kein "freies Schussfeld". Die Stämme der Platanen standen mir im Wege. Es war zu befürchten, dass sie sich bei der Projektion über die Leinewand bewegten und zeitweise das verfolgte Motiv verdeckten. Wider Erwarten störte dieser Effekt aber durchaus nicht. Im Gegenteil - wie ich auch bei anderen Gelegenheiten feststellen konnte - verleihen im Vordergrund vorbeihuschende Bäume oder Säulen einem Verfolgungsmotiv einen ganz besonderen, einen dramatischen Akzent.