Film- und Videoclub Rüsselsheim e.V.

Zurück zur Aufnahmemethodik
Anmerkungen zur Aktualität
der gewählten Buchauszüge

von Gerhard Steiner

Besonders für die neuen Mitglieder unter uns, natürlich auch zur Auffrischung für die Langjährigen, haben wir hier einmal auf einige klassische Bücher über das Filmen zurückgegriffen. Es geht um die Einordnung von Schwenks, Zooms und Festeinstellungen in unsere filmerischen Aufnahmekriterien, in unsere Aufnahmemethodik, in unser Verhalten hinter der Kamera. Die Auszüge zeigen m.E. klarer als fast jede Darstellung in neuer Videoliteratur, worauf es beim Filmen wirklich ankommt

Helmut Lange hat seine Bücher in den 50iger und 60iger Jahren geschrieben, als es nur Doppel-8- oder 16 mm-Film gab. Es gab noch keinen Super-8- geschweige denn Videofilm. Er schrieb oft von "Filmmaterial einsparen". Das war damals besonders wichtig, als wir in Filmerzeiten für 31/2 Minuten Material ca. 10 DM zu bezahlen hatten. Das Material heute, sprich unsere Videokassetten, ist ungleich billiger. Aber trotzdem sind Helmut Langes Hinweise auf Materialeinsparung wichtig, weil wir mit jeder zeitlichen Kürzung auch unseren Videofilm straffer und damit interessanter machen. Wenn er von "Schwenkung" spricht, meint er das, was wir heute als "Schwenk" bezeichnen. Was er über die "Schwenkung " schreibt, ist noch heute top-aktuell. Auch werden wir nicht jede aufzunehmende Episode schriftlich vorplanen, wie Helmut Lange das in seinem Buch gezeigt hat. Für die erfahrenen Videofilmer genügt es, daran zu denken, keine ellenlangen Einstellungen an einem Stück aufzunehmen, sondern die Handlung in viele kurze Einzeleinstellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und unterschiedlichen Entfernungen aufzunehmen. Allerdings hat es noch niemandem geschadet, sich vor Beginn der Filmaufnahmen zu überlegen, wie man die zu erwartende Handlung am besten in viele kurze Festeinstellungen auflösen kann. Das sehr viel interessantere Ergebnis vieler kurzer Festeinstellungen statt langer, endloser Schwenks aus größerer Entfernung macht eben den Unterschied zwischen einem filmenden Dilletanten und einem Könner aus. Insofern sind Helmut Langes Hinweise auch heute noch uneingeschränkt gültig und aktuell. Seine kleinen, etwas "hausbackenen" Beispiele sind typisch für jene Zeit, als sich die Filmer überwiegend auf die Familie und das Heranwachsen der Kinder konzentrierten. Trotzdem zeigen sie sehr anschaulich, worauf es bei der Methodik der Aufnahme von Filmen wirklich ankommt.

Die gleiche Materie mit anderen Schwerpunkten und mit anderem Schwung wurde von Günter Spitzing behandelt. Er schrieb sein Buch zu einer Zeit, als die Zoomobjektive, damals "Gummilinsen" genannt, etwas gebräuchlicher wurden. Sein Buch war im Hinblick auf die Leicina - Filmkameras von Leitz geschrieben. Das waren damals zwar die Mercedes unter den Filmkameras, aber sie waren noch ohne Autofocus-Einrichtung, die in unseren heutigen Videokameras selbstverständlich ist. Wenn wir uns auch nicht mehr so vordringlich um die Entfernungseinstellung kümmern müssen, weil uns die Automatik das abnimmt, so trifft doch noch alles andere von Günther Spitzing Geschriebene über den sinnvollen Gebrauch des Zoomobjektivs zu. Zudem sind seine Zeilen besonders vergnüglich zu lesen. Er trägt dem Rechnung, dass die meisten Amateure ihre Filme aus der Hand aufnehmen. Er legt aber besonderen Wert auf eine ruhige Kamerahaltung und auf möglichst wenig Schwenks. Seine Zeilen sind zur Abrundung und zur Vertiefung der Aussagen von Helmut Lange gedacht, und was er über den Gebrauch der Zoom-Objektive geschrieben hat, ist zudem aus gestalterischen Gründen besonders beherzigenswert. Ich selbst habe beim erneuten Durchlesen gedacht, dass man solche Bücher eigentlich öfter zur Hand nehmen sollte, um für sich selbst wieder all den Reichtum an Erfahrung und Wissen zu rekapitulieren und beim nächsten Kameraeinsatz wieder aus dem eigenen Kopf abrufbar zu machen.